Ergänzungsneubau 10-geschossiger Holzturm und Sanierung Genossenschaftsiedlung Lehengasse in Münchenstein
Studienauftrag 2021, 1. Rang, Rüdisühli Ibach Architekten BSA SIA AG
Quartierplanung 2022-24
Projektierung und Realisierung 2024-27, Rüdisühli Architekten AG
Städtebau und räumliche Konzeption
Die fünfzigjährige Wohnsiedlung Bündten-Seyis steht auf der Birsterrasse rund zwanzig Meter über dem Talboden.
Die Zeilenbauten sind westorientiert, während die Punkthochhäuser südorientiert sind.
Das neue Turmhaus ist in seiner geometrischen Ausrichtung und Proportion analog zu den bestehenden Punktbauten angeordnet.
Hingegen ist es nicht nach Süden, sondern über die Diagonalen nach Südwesten und Nordwesten orientiert. Die Aussicht auf sämtlichen Geschossen erfolgt in der Diagonalen und ermöglicht den Weitblick über das Birstal hinweg in Richtung Blauen, Eggfluh und über das Bruderholz in Richtung Vogesen.
Footprint
Dank des schlanken Fussabdruckes des neuen Punkthauses werden maximale Aussenraumflächen freigespielt. Sämtliche Gebäude werden von einem zusammenhängenden Raumkontinuum umflossen.
neue Mitte
Das Zentrum der Anlage bildet ein Platz. Halböffentliche Gemeinschaftsnutzungen im Erdgeschoss sind auf den Platz ausgerichtet.
Wohnungen und Gemeinschaftsräume
Die schmale Bandbreite des bestehenden Wohnungsangebotes (z.Z. 100% Dreizimmerwohnungen) wird ergänzt mit je 12% Zwei- und Vierzimmerwohnungen. Sie entwickeln sich dreiseitig orientiert entlang der Fassaden.
Der Zugang erfolgt jeweils im Zentrum der Wohnung. Dimension und Orientierung können beim Betreten der Wohnung sogleich erfasst werden.
Zweizimmerwohnung
Die 60m2 grosse Zweizimmerwohnung erscheint durch ihre loftartige Raumkon-zeption entlang der Fassade enorm grosszügig. Sie ist dreiseitig orientiert und kann in Quer- wie in Längsrichtung räumlich zusammenhängend erlebt werden. Dem Wohnraum ist eine übereck orientierte Loggia angeordnet. Sie öffnet den Ausblick in Richtung Nordwesten über das Bruderholz und die Stadt Basel hinweg in Rich-tung Sonnenuntergang über den Vogesen.
Vierzimmerwohnung
Die 99m2 grosse Vierzimmerwohnung entwickelt sich dreiseitig längs entlang der Fassaden. Der gemeinschaftliche Wohnungsteil mit Kochen, Essen und Wohnen liegt an der nach Süden und Westen vorgelagerten grosszügigen Loggia mit Blick über das Birseck in Richtung Blauen ins Sundgau hinaus. Bäder und Stauraum gruppieren sich zentral um den Kern herum. Der Individualteil mit drei Zimmern ist in der Südostecke angeordnet. Alle Zimmer verfügen über jeweils zwei französische Fenster. Vom vierten Zimmer im Osten wird über den gemeinschaftlichen Bereich im Westen eine durchgehende Sichtachse in voller Raumtiefe aufgespannt. Das Panoramafenster mit Sitzbrüstung im Westen bietet einen grandiosen Ausblick aus den Wohnräumen über das Birstal.
Minergie P, SNBS-Gold
Für den genossenschaftlichen Wohnungsbau wird eine Lowtec-Strategie gewählt. Die Lüftung der Wohn- und Schlafräume erfolgt natürlich über die Fenster. Bad und WC werden mechanisch belüftet. Nachströmöffnungen in den Fensterrahmen sorgen für den nötigen Druckausgleich. Die Wände und Decken der Obergeschosse werden aus nachwachsenden Rohstoffen konstruiert.
Tragwerk
Das Tragwerk des 10-stöckigen Genossenschaftshauses wurde dahingehend entwickelt, dass eine schnelle, wirtschaftliche und ökologische Bauweise ermöglicht wird. Gleichzeitig bietet es der Nutzerschaft maximale Flexibilität in der Grundrissgestaltung. Das geplante Tragwerk erfüllt diese Anforderungen vollumfassend, dabei werden die Baumaterialen entsprechend ihrer jeweiligen Stärken an den dafür richtigen Orten effektiv eingesetzt.
Recycling: Beton
Der mehrgeschossige Holzbau sitzt auf einem Untergeschoss aus Stahlbeton und wird durch einen Treppenhauskern in Beton ausgesteift. Für alle Betonbauteile kommt Recycling-Beton aus Mischabbruch zum Einsatz. Mit der Verwendung von Beton im unteren Gebäudeteil sowie im Aussteifungskern werden statische sowie Dichtigkeitsanforderungen der erdberührten Bauteile effizient und ökologisch umgesetzt.
Nachwachsender Rohstoff: Holz
Ab dem EG wird das Tragwerk aus regional verfügbarem und nachhaltig angebautem Holz erstellt. Der Holzbau wird in Elementbauweise vorgefertigt, auf die Baustelle geliefert und kraftschlüssig mit dem Aussteiffungskern verbunden.
Die Tragstruktur für die Geschossdecken verläuft in vier parallelen Achsen von Ost nach West: Die vom Treppenhauskern ausgehende Wohnungstrennwand die Zimmertrennwand der Vierzimmerwohnung und die Nord- und Südfassade dienen als Auflager für die Holzdeckenelemente.
Die Aussen- sowie die tragenden Innenwände werden als vorgefertigte Holzständerwände konzipiert. Durch einen hohen Vorfertigungsgrad wird eine schnelle und termingerechte Herstellung gewährleistet.
Mit einer Gesamthöhe von unter dreissig Meter hat der ‘Holzturm‘ die Brandschutzanforderungen an ein Gebäude mittlerer Höhe zu erfüllen.
Bauherrschaft: BWG Basler Wohngenossenschaft
Projekt und Ausführungsplanung: Rüdisühli Architekten AG
Landschaftsarchitekt: Tremp Landschaftsarchitekten BSLA, Zürich
Bauingenieur: ZPF Ingenieure AG
Elektroplanung: DA Eltec AG
HLK Planung: Beat Joss & Partner
Sanitärplanung: Schmutz + Partner AG
Bauphysik: Gartenmann Engineering AG









